Tja, nun kommen wir zur dritten und letzten Woche.
Ich muss sagen, ich habe eigentlich gar keinen Suchtdruck mehr. Das Schlimmste in der letzten Woche für mich ist, dass ich meine anderen Krankheiten bewusster wahrnehme. Mir ist immer total schwindelig. Das hatte ich zwar auch schon vorher, aber ich nehme es verstärkt war. Übel ist, dass es sich so anfühlt, als ob ich einen getrunken habe und durch die Gegend schwanke. Mittlerweile habe ich auch eine Lieblingskrankenpflegerin, die Frau J. Sie ist immer gut gelaunt, sehr hilfsbereit und hat immer einen flotten Spruch auf Lager, der einen auch wieder fröhlicher werden lässt, auch wenn es mal schwierig wird.
Die Therapie hier zeigt seine Wirkung, wie gerade schon beschrieben, habe ich kaum Suchtdruck oder Ähnliches. Es geht halt von Woche zu Woche besser, wenn da nicht die anderen Krankheiten wären. Natürlich bin ich traurig, weil Björn, Andreas, Ruth (das waren so meine Bezugspersonen) schon zu Hause oder in der Langzeit Reha sind. Aber ich habe ja auch nur noch eine Woche, dann geht es für mich auch los.
Hier beschreibe ich mal, welche Freiheiten man hier hat und wie es dann weiterging, denn das dicke Ende kommt ja noch. Das Schöne hier im Krankenhaus ist, dass man sofort nach draußen darf. In den meisten Suchtkliniken wird man ja bekanntlich erstmal für eine Woche weggeschlossen (man darf die Station nicht verlassen!!!). Hier ist das etwas anders geregelt. Man hat einen Vertrauensvorschuss und darf sich ab dem ersten Tag auf dem ganzen Krankenhausgelände aufhalten. Man kann auch, wenn man will, ganz normal zum Einkaufen gehen. Natürlich nur in der freien Zeit, wenn man keine Anwendungen oder sonstige Verpflichtungen hat. Aber ich sage es euch gleich, es ist nicht so einfach, wie man das hier liest. Denn das bringt auch Gefahren mit sich. Man sollte sich da immer fragen, bin ich schon so weit? Ich konnte mir das in der ersten Woche gar nicht vorstellen, deshalb blieb ich auch meistens auf Station oder im Glaspalast (ha ha ha). In der zweiten Woche habe ich mir dann doch zugetraut, auch mal in den Supermarkt zu gehen, um ein paar Leckereien zu kaufen. Die Cafeteria ist für Leute die wenig bis kaum Geld haben doch sehr teuer, da kommt so ein Supermarkt gerade gelegen.
Die Wochenenden sind hier so geregelt: Man kann schon am ersten Wochenende für ein paar Stunden (4-5) nach Hause oder zu Freunden. Ich habe es nicht gemacht, weil ich mir total unsicher war, ob ich mir selbst trauen kann. Am zweiten Wochenende war das schon anders, ich habe die Chance genutzt, bin nach Hause und am nächsten Tag zu meiner Schwester gegangen. Man konnte da also von morgens 9 Uhr bis 19:30 Uhr (eine Mahlzeit kann man auslassen) das Krankenhaus verlassen. Es kann immer sein, dass, wenn man zurückkehrt, auf Alkohol oder Sonstiges getestet wird. In der dritten Woche kann man dann von Samstag 9 Uhr bis Sonntag 19:30 Uhr nach Hause, dass ist das berühmte Belastungswochenende. Da erfährt man, wie stabil man dann wirklich ist.
Sehr schön war auch, dass wir in der Zeit gutes bis prächtiges Wetter hatten und ich daher immer wieder Lust hatte in den Park zu gehen.
Mittlerweile fühle ich mich richtig gut, wenn die anderen Krankheitssymptome nicht wären. Ich hatte dann auch in der Woche einige Glücksgefühle, weil ich ja bald in die Langzeit Reha gehe. Ich weiss, dass mir nur die Entgiftung nicht helfen würde, deshalb wählte ich diesen Weg und hoffe, dass ich den auch weitergehen kann.
Dann der Schock. Ein Patient hatte Corona und mein Zimmernachbar und ich bekamen es ab! Ach du scheiße dachte ich nur, was mache ich denn jetzt? Ich wollte ja eigentlich einen Tag später zur Reha fahren. Tja, das ging dann nicht mehr. Ob ich an dieser Stelle weitermache ist erst mal auf Eis gelegt.
|