Dann fing die zweite Woche an. Man lernte die Leute die mit einem im gleichen Boot saßen näher kennen. Man schätzte sich und die Gespräche in unserem kleinen Glaspalast, so nenne ich liebevoll unsere Raucherecke, grins. Auch Freundschaften sind dadurch entstanden, die ich nicht mehr missen möchte.
In dieser Woche ging es mir nach und nach besser. Ich dachte gar nicht mehr so an mein Bierchen, was ich ja doch eigentlich so sehr liebte. Der Suchtdruck hat etwas nachgelassen, obwohl man immer zwischendurch denkt, oh ha jetzt ein leckeres Bierchen, das wäre klasse. Da war schon wieder der kleine Teufel. Wie man sieht, es lässt einen nicht los, ob man will oder nicht. Meine Blut- und Leberwerte gehen langsam zurück. Das wird auch noch Zeit brauchen, man hat das ja alles jahrelang vernachlässigt. Ich kann leider nicht sagen, dass es ein Zuckerschlecken ist, denn jeder Mensch ist anders. Ich hatte das Gefühl, ich halte hier nur durch, um dieses Projekt zu machen. Website, Blog und ich will ja auch noch das Forum fertig machen. Das ist für mich die Ablenkung schlechthin.
Manchmal kommen aber trotzdem die Gedanken, wow jetzt ein Bier. Ich muss sagen, wenn ich daran denke, dass ich nie wieder ein Bier trinken darf, könnte ich heulen. Ich habe es so geliebt, mich mit 3 Flaschen auf fast ex zu betanken. Und dann den Pegel zu halten, bis ich dann nach der 14. Flasche Bier ins Bett gefallen bin. Ich glaube, wenn ich nicht mittlerweile so erkrankt wäre, wie es zur Zeit ist, wäre ich nicht in die Entgiftung gegangen, um dann in die Langzeit Reha zu gehen. Na ja, ich schweife ab, aber so sind halt meine Gedanken. Was mir Mut und Kraft gegeben hat, sind nicht nur die Unterhaltungen mit der Psychologin Frau J. (auch hier einen Dank, dass ich so offen reden durfte, das hat mir geholfen) sondern ganz besonders die Unterhaltungen mit den Anderen (unsere Clique). Man sagt nicht umsonst: „Wir Süchtigen sind die besseren Psychologen!“ Denn wir kennen uns mit der Materie aus, wir haben alle schon einiges durchgemacht und deshalb können wir in der Gruppe Kraft schöpfen und uns gegenseitig helfen!
Leider ist die zweite Woche schon rum, viele von unserer Clique gehen und ich muss noch hier bleiben. Daraufhin haben wir noch schnell eine WhatsApp Gruppe gegründet, um auch später noch in Kontakt zu bleiben. Ich habe dann versprochen, mich um eine Möglichkeit zu kümmern (wenn ich aus der Langzeit Reha zurück bin) eine Örtlichkeit zu suchen, wo man sich dann auch treffen kann. Allen Leuten die schon gegangen sind: Danke, dass ich euch kennenlernen durfte. Ich hoffe, wir halten den Kontakt aufrecht!
Natürlich gibt es auch eine Schwester Rabiata, wie in jedem Krankenhaus, liebevoll von uns auch „der Oberfeldwebel“ genannt. Das braucht aber auch jedes Krankenhaus, jemanden der mit Zucker, Brot und Peitsche regiert. Denn seien wir mal ehrlich zu uns selbst, wenn man nicht ab und zu einen Arschtritt bekommt, bewegt sich gar nichts mehr. Auch hier einen schönen Gruß von mir an Frau H.! Gott sei Dank bin ich schon weg, wenn sie das hier liest, sonst hätte ich Angst verhauen zu werden. Ha ha ha, ein kleiner Spaß muss auch sein. Das Leben ist ja bekanntlich hart genug. Ich schreibe auch mal was zu den Entspannungsübungen, das ist ja nicht so meins, aber auch teilweise lustig. Einige werden dabei so tiefenentspannt, dass sie einfach einschlafen (Gruß an Andreas, hi hi hi). Das ist aber wie gesagt auch nicht jedermanns Sache, aber man sollte sich einfach mal darauf einlassen und es ausprobieren. Dem einen hilft es, dem anderen halt nicht.
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